• Buchebner Julia

Women´s Wisdom: Ist der Wandel weiblich?



Mein erster Blogbeitrag im neuen Jahr ist der Weiblichkeit gewidmet. Nicht nur, weil ich mich selbst in letzter Zeit viel mit dem eigenen Frau-Sein beschäftigt habe, sondern weil es mir ein Anliegen ist, die Bedeutung des weiblichen Prinzips für eine nachhaltige Entwicklung ins Bewusstsein zu rufen.


Denn seien wir uns einmal ehrlich:


Wie lange schon werden Qualitäten wie Sanftheit, Fürsorge oder Mitgefühl missachtet, herabgesetzt und überhört? Wie sehr haben wir sie aus unserem gesellschaftlichen Leben gesperrt?


In der Politik: keine Spur davon. In der Wirtschaft: ebenso wenig. Wir leben heute in einer Welt, die ganz stark auf männlichen Prinzipien aufbaut: Effizienz, Vernunft, Leistung. Wir leben in einer Höher-Schneller-Besser-Kultur. Wir glauben an Macht, Konkurrenz und technologischen Fortschritt. Wir glauben daran, dass der Stärkere gewinnt. Diese Denke entspringt (sorry guys) einer unbewussten und falsch verstandenen Männlichkeit.


Aber sogar im Bereich der Religion und Spiritualität hat sich männliches Denken durchgesetzt!


Viele Menschen glauben, dass Gott ein überdimensionierter, alter Mann mit langem Bart sein muss, der im Himmel sitzt und strafend auf uns herabblickt. Viele Jahrhunderte lange haben wir Gott VATER angebetet, aber die göttliche MUTTER komplett vergessen.


Dabei kommt so viel Liebe, so viel göttliche Kraft von unten, von der Erde!


Die Erde umfasst und trägt alles Leben. Nichts existiert ohne sie. Jede Zelle, jeder Atemzug, jeder Pulsschlag ist durchtränkt von ihrer großem JA zum Leben. Wird die Erde krank, werden auch die Menschen krank. Diese Zusammenhänge sehen wir schon längst überall. Dennoch tun wir immer noch so, als wären wir getrennt von ihr, der göttlichen Mutter, der Quelle des Lebens.


Heute sind es insbesondere Frauen, die uns wieder an diese Weisheit erinnern.


Denn Frauen sind Mutter Erde sehr ähnlich: Sie leben in Zyklen wie sie, schenken Leben wie sie, nähren und lieben wie sie. Frauen sind ganz natürlich an diese lebenserhaltende Intelligenz angebunden. Ihre Empfindsamkeit macht sie empfänglich für die Nöte anderer, und damit fällt es ihnen auch leichter, sich im Sinne eines größeren Ganzen einzusetzen. Und so erobern viele Frauen heute wieder ihre weibliche Kraft zurück und gestalten den Wandel ganz aktiv mit! Sie zeigen sich wild, frei und natürlich. Sie entwickeln soziale und ökologische Projekte. Sie zeigen Missstände auf. Sie stehen für ihre Werte ein. Sie leben ihre Berufung. Sie lieben bedingungslos. Kraft ihres Herzens können Frauen Ungeheures bewegen!


Das weibliche Prinzip, oder auch Yin-Prinzip genannt, meint genau das: Mitgefühl, Fürsorge und Verbundenheit.


Es ist der Teil in uns, der Zusammenhalt und Miteinander schafft. Der sich dem Leben hingibt. Es ist die Stimme der Güte und Friedfertigkeit. Das freundliche Herz, die spürige Intuition, der lebendige Tanz. Das inspirierte Träumen, das kreative Erschaffen, das große Loslassen.


Die ganze Welt dürstet nach diesen Eigenschaften!

Und doch – das ist jetzt wichtig zu verstehen – ist dieses weibliche Prinzip nicht nur Frauen vorbehalten! Es existiert in ALLEN Menschen!

Spätestens seit C.G. Jung wissen wir, dass jeder Mann einen weiblichen Anteil in sich trägt (Anima) und jede Frau einen männlichen (Animus). So wie Yin und Yang zusammengehören und jede Medaille immer zwei Seiten hat, so existieren auch in uns immer beide Pole! Die Frage ist nur, wann wir endlich aufhören, den einen Pol abzuspalten und abzuwerten?


Viele Jahrhunderte wurde Raubbau an der Erde und Raubbau an den Frauen betrieben. Doch diese Zeit darf nun zu Ende gehen.


Ich glaube, was wir heute dringlich brauchen, ist ein ganz neues Gleichgewicht zwischen männlicher und weiblicher Kraft.


Wir können nicht immer unsere halbe Natur verleugnen! Wir können nicht immer effiziente, powervolle, strukturierte Menschen sein! Wir dürfen ruhig einmal loslassen von all dem Streben und Wollen. Wir dürfen ruhig einmal unser Herz ausbreiten. Wir dürfen ruhig einmal dankbar baden in dem, was ist: Der Körper, der Atem, die Erde, das Jetzt.


Sowohl Männer als auch Frauen sind eingeladen, diese Qualitäten in sich wieder wachzuküssen!


Denn das Spannende ist: erst wenn das Weibliche (Yin) seinen Raum bekommt, kann auch das Männliche (Yang) erst richtig erblühen: das Aktive, das Feurige, das Umsetzende.

Ich glaube: um eine nachhaltige Entwicklung zu sichern, darf und muss das weibliche Prinzip wieder seinen ihm zustehenden Platz einnehmen!

Und zwar nicht nur in uns selbst, sondern auch in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft!


Denn echter Wandel braucht beide Pole!


Nur wenn männliche und weibliche Kräfte ausgeglichen und auf Augenhöhe sind, können wir gute Entscheidungen mit Verstand UND Herz treffen. Nur dann haben wir auch die Möglichkeit, ganzheitliche Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden und umzusetzen.


Denn diese lösen sich nicht durch Technologie, den Markt oder politische Top-Down Instrumente alleine. Wir müssen vielmehr die Herzen erwecken. Wir müssen die Liebe darin wieder fühlen.


Nur wenn wir empfänglich sind, können Visionen und Inspirationen zu uns kommen. Nur wenn wir uns verletzlich zeigen, kann wahre Stärke entstehen. Nur in der Fürsorglichkeit zueinander können solidarische Gemeinschaften keimen. Und nur wenn wir Akzeptanz und Güte lernen, werden wir zum Frieden fähig.

Mann und Frau, Animus und Anima, Yin und Yang – diese Kräfte sind eins, und nur zusammen können sie eine neue Welt erschaffen!
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