• Buchebner Julia

War Jesus ein Öko?

Oder was uns das Christentum zum Thema Nachhaltigkeit lehrt

Zu Beginn des Artikels möchte ich eines vorwegschicken: Ich bin keine Christin. Aber auch keine Buddhistin. Oder Hinduistin. Ich gehöre keiner Religion an. Dennoch glaube ich an ein göttliches, allumfassendes, lebensspendendes und liebevolles Prinzip, in dem wir alle eingebettet sind und ich glaube an den göttlichen Funken in jedem Einzelnen von uns. Ich glaube außerdem an einen gemeinsamen, verbindenden Nenner am Urgrund aller Religionen und ich bin sicher, hätten sich Jesus, Krishna, Buddha & Co in einem Kaffeehaus über Gott unterhalten, sie hätten sich bestimmt wunderbar verstanden und es hätte ihnen vermutlich auch gegraut bei der Erkenntnis, wie verdreht und im eigenen Machtinteresse missbraucht ihre Lehren durch die ihnen nachfolgende Institutionalisierung wurden.


Wie auch immer, Fakt ist, dass es derzeit rund 2,26 Milliarden Menschen gibt, die der christlichen Kirche angehören, was sie zur weltweit am weitest verbreiteten Religion macht. Ich halte es daher für nicht unerheblich, welche Botschaften diese Kirche in Hinblick auf Umwelt & Nachhaltigkeit verkündet.


Hier ein paar Gedanken zum Thema:


Das erste was mir einfällt, ist natürlich „Laudato Si“ - eine vom Papst Franziskus 2015 veröffentlichte Enzyklika, in der er konsequent und tiefgehend auf die brennenden ökologischen & sozialen Fragen unserer Zeit eingeht. Der Papst spricht darin von der Dankbarkeit als wertschätzende Grundhaltung für dieses Leben, vom gemeinsamen Ursprung aller Menschen, von unserer wechselseitigen Abhängigkeit sowie von der Sorge um das „gemeinsame Haus“, der wir Rechnung zu tragen haben. Weiters spricht er vom intrinsischen Eigenwert aller Lebewesen, davon, uns wieder Zeit zu nehmen für das Wesentliche, er spricht vom Staunen und vom achtsam und zärtlich sein mit dem, was uns umgibt. Er spricht von der Lüge von der unbegrenzten Verfügbarkeit der Güter unseres Planeten sowie von der Notwendigkeit, gerechte und solidarische Lösungen für unsere Krisen zu finden. Er kritisiert außerdem den "fehlgeleiteten Anthropozentrismus", in der die technische Vernunft über allem anderen steht und alles nur dann als relevant erachtet wird, wenn es den unmittelbaren, eigenen Interessen dient. Wow! Wie viel Weisheit, Weitblick & Tiefe doch darin steckt! Ich denke, mit „Laudato Si“ ist wirklich ein Meilenstein gelungen, und ich persönlich finde das bemerkenswert.


Aber der Papst ist freilich nicht der einzige, der sich in der Geschichte des Christentums mit ökologischen Fragen befasste.


Man denke nur an den Benediktiner Mönch Bruder David Steindl-Rast, an Hildegard von Bingen oder an Franz von Assisi. Oder gehen wir noch früher zurück: Jesus selbst! Jesu Gleichnisse stecken voller ökologischer Bilder, er war ein großer Naturbeobachter und hat aus der Natur viele Gesetzmäßigkeiten für das Leben der Menschen abgeleitet. Er machte deutlich: Gott ist lebendig in dieser Schöpfung! Die Natur ist eine göttliche Offenbarung! Dass Jesus ein universaler ökologischer Lehrmeister war und in seiner Lehre die Wurzeln für eine ökologische Ethik liegen, legt Franz Alt in seinem Buch „Der Ökologische Jesus“ wunderbar dar.


Andererseits....

hat bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten, und so gibt es auch im Christentum einiges, was einer nachhaltigen Entwicklung nicht gerade dienlich war. Denken wir zum Beispiel an das berühmte Zitat aus der Genesis „Machet euch die Erde untertan“ oder an die Betitelung des Menschen als „die Krone der Schöpfung“. Eijeijei, ich denke da haben wir wohl einiges ganz grundsätzlich und vollkommen missverstanden! Nämlich:


1. Herrschen impliziert Verantwortung

Wir dachten es wäre ein Freifahrtsschein für „Halli-Galli“, in Wahrheit haben wir komplett außer Acht gelassen, dass mit dem Herrschen über etwas, immer auch eine Verantwortung verbunden ist. Habt ihr schonmal einen Firmenchef erlebt, der über alles regiert und bestimmt, aber dann nicht die Konsequenzen seines Handelns zu tragen hätte? Natürlich nicht, oder zumindest würde uns das sehr komisch vorkommen. Diejenigen, die das Sagen haben, die die Entscheidungen treffen, tragen letztlich auch die Verantwortung. Auf dem Planeten Erde hat bisweilen der Mensch das Sagen. Das macht ihn automatisch zum Schöpfungsverantwortlichen.


2. Es gibt keinen Unterschied in der Wertigkeit des Lebens

Weil wir vernunftbegabte Wesen sind, weil wir ein reflektierendes Bewusstsein haben, weil wir mit dem Herzen fühlen können und weil wir Ethik & Moral kennen, unterscheiden wir uns von vielen anderen Lebewesen und manche mögen dies als die „Krone der Schöpfung“ im besten Sinne des Wortes bezeichnen. Doch wir dürfen nicht meinen, dass wir deshalb wertvoller seien und mehr Rechte hätten als andere Lebewesen, noch dürfen wir diese Position dazu verwenden, egoistische Handlungen zu legitimieren.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass in den Augen Gottes, oder in den Augen der Liebe, jedes Lebewesen - wie klein oder wie groß es auch sein mag - denselben Wert besitzt und von der Schöpfung gewollt und geliebt ist.

Ich glaube nicht, dass jemand höher oder besser gestellt ist, aber ich glaube, dass jede Spezies unterschiedliche Fähigkeiten und damit Aufgaben hat.


Die Aufgabe des Menschen ist in der Tat zu gestalten, sich zu entwickeln, und letztlich den göttlichen Funken in sich selbst zu erkennen. Die Krone der Schöpfung zu sein – sofern man diesen Begriff überhaupt verwenden möchte – heißt, im besten Sinne auf die Schöpfung Acht zu geben, da wir aus ihr kommen und mit ihr verbunden sind. Es heißt, den eigenen Ursprung zu ehren. Es heißt, sich in den Dienst der Schöpfung zu stellen. Die wahre Größe liegt darin, über die Erde zu herrschen wie der weiseste, liebevollste und großzügigste König, den man sich nur vorstellen kann. Ein König, der auf alle seine Untergebenen achtet, wie klein sie auch sein mögen. Ein König, der mit einem Herz voller Gerechtigkeit und Güte entscheidet. Ein König, der voller Würde und Demut seine Krone trägt.


DAS wäre für mich das Menschenbild, das sich aus der christlichen Schöpfungsverantwortung ergibt. DAS ist, was „Krone der Schöpfung“ in Wahrheit bedeutet.


Ob Christ oder nicht, lasst uns zu solchen Menschen werden.

0 Ansichten
Verpasse keine Artikel, Meditationen oder News und trage dich hier in den Newsletter ein! Zusendung ca. 1-2 Mal pro Monat.
  • Facebook Social Icon
  • YouTube

© 2019 von Julia Buchebner; Bilder von Pixabay.com