• Buchebner Julia

"Selbst Teil der Veränderung werden" - kleines Interview in der Tips-Zeitung

Diese Woche ist in der Tips Zeitung Amstetten ein kleines Interview mit mir erschienen. Ich fand die Fragen der Journalistin echt gut, und möchte es daher mit euch teilen!

Tips: Klimawandel, Artensterben, steigende Ungleichheit – als Einzelner steht man einer Fülle an Problemen bzw. besorgniserregenden Entwicklungen gegenüber. Da macht sich schnell das Gefühl der Machtlosigkeit breit. Was entgegnen Sie Menschen, die sagen: „Da kann ich als Einzelner ja nichts ausrichten“?


Julia: Ich finde es immer wieder erstaunlich und zugleich tragisch, für wie klein und unbedeutend wir uns selbst halten und wie wenig wir uns zutrauen. Uns ist gar nicht bewusst, wie sehr wir tagtäglich die Welt um uns herum prägen – mit dem, was wir sagen, denken, fühlen, kaufen, tun, entscheiden. Die Frage ist meines Erachtens nicht, OB wir etwas ausrichten, sondern vielmehr in welche Richtung wir das tun. Fördern wir durch unsere Entscheidungen ein altes System basierend auf Ausbeutung und Zerstörung, oder bringen wir neue, lebensbejahende Werte in die Welt? Die Geschichte hat gezeigt, dass es meist nur wenige Menschen sind – Studien nennen etwa 3,5 bis 10% der Bevölkerung – die notwendig sind, um eine kritische Masse zu bilden und große, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Ich finde das zeigt schön, wie groß unsere Wirkmacht tatsächlich sein kann.


Sie sind seit 15 Jahren im Bereich der Nachhaltigkeit aktiv: was bedeutet für Sie ein nachhaltiges Leben?


Für mich bedeutet es, mein Leben so zu gestalten, dass mein Umfeld, andere Menschen, Lebewesen sowie die Natur davon mehr profitieren als Schaden nehmen. Dass ich meine täglichen Entscheidungen auf Basis von Empathie, Fairness und Weitblick treffe. Und dass ich mir bewusst bin, wie lange in die Zukunft meine Handlungen noch „nachhallen“.


Viele Menschen verstehen unter Nachhaltigkeit: regional/bio einkaufen, Veränderung des Mobilitätsverhaltens (Öffis, E-Mobilität, Fahrrad), etc. … Das sind, nehme ich an, die äußeren Maßnahmen. Sie sprechen im Buch mentale, emotionale und spirituelle Aspekte auf dem Weg in eine gute Zukunft an. Was verstehen Sie darunter?


„Äußere“ Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Energie, Mobilität, etc. sind sehr wichtig und Teil des erforderlichen Wandels. Doch meist entscheiden innere Faktoren – wie etwa individuelle Werthaltungen, Emotionen, Glaubenssätze und Weltbilder – ob Veränderungen im Außen tatsächlich auch umgesetzt werden. So macht es einen großen Unterschied, ob jemand egoistische oder gemeinschaftliche Werte hat, ob man sich ohnmächtig oder wirkmächtig fühlt, ob man sein Glück in materiellen oder immateriellen Dingen sucht, ob man den Mut hat, gewohnte Pfade auch mal zu verlassen, ob man die Nöte der Welt an sich heranlassen kann, ob man zu achtsamer Kommunikation in der Lage ist, ob man sich selbst für die Krone der Schöpfung hält oder der Natur ihre eigene Würde zuspricht. Das alles sind mentale, emotionale und spirituelle Fragen, die auf dem Weg in eine lebenswerte Zukunft entscheidend sind, und die es ebenso zu betrachten gilt, wenn Nachhaltigkeit gelingen soll.


Wie kann man selbst Teil der Veränderung werden?


Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort, denn jeder Mensch ist zu etwas anderem berufen. Für den einen ist es die Gründung eines Öko-Start-Ups, für den anderen die liebevolle Pflege eines Familienmitglieds. Für einen dritten ist es der ehrenamtliche Naturschutz, für wieder einen anderen die kreative Zubereitung gesunder Mahlzeiten. Wir sind zutiefst davon überzeugt: Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen unverwechselbaren Beitrag zu geben. Um Teil der Veränderung zu werden, muss man sich also lediglich fragen: Was möchte ich der Welt von mir schenken? Was will durch mich in die Welt kommen? Wie kann ich die Welt mit meinen Fähigkeiten bereichern? Diese Fragen führen uns automatisch an den Platz, wo wir zum Wohle vieler handeln und wirken können.


Wie sehr sollte aber auch die Politik in die Pflicht genommen werden?


Die Politik ist natürlich gefordert, die Weichen für eine sozial und ökologisch gerechte Transformation zu stellen - das steht außer Frage. PolitikerInnen werden sich jedoch nur dann für notwendige Maßnahmen einsetzen, wenn sie sich von der Bevölkerung darin unterstützt fühlen, wenn sie ihre Ängste vor dem Verlust von Wählerstimmen ablegen lernen und den Mut entwickeln, neue Wege vorzugeben. Wo wir schon wieder bei den inneren Aspekten landen. Der tiefere, kollektive Bewusstseinswandel stellt die grundlegendste Ebene der Veränderung dar. Insofern haben wir den größten Hebel von allen wirklich selbst in der Hand.



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Foto oben (c) nina-romana fine design

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