• Buchebner Julia

Ran an die Wurzel! Warum die ökologische Krise eigentlich eine spirituelle ist.


Neulich wurde ich gefragt, ob ich glaube, dass die verschiedenen Krisen und Herausforderungen, die wir gerade erleben - wie etwa der Klimawandel oder das Artensterben - auf ein einziges Grundproblem hindeuten oder ob es dafür unterschiedliche Auslöser gibt. Gerne möchte ich hier meine Antwort mit euch teilen.


Ich persönlich glaube, dass die ökologische Krise Ausdruck einer spirituellen Krise des Menschen ist.

Je tiefer wir gehen und nach dem Warum von Krisen fragen, desto stärker erkennen wir, dass es letztlich ganz wenige Umstände sind, auf die sich alles zurückführen lässt. Welche das sind? Here they go:


1. Die Illusion der Trennung

Das erste „Grundübel“ dieser Welt liegt in der Überzeugung, dass wir getrennt voneinander seien. Wir haben vergessen, dass in dieser Welt alles mit allem auf einzigartige Weise verbunden ist. Sowohl auf materiell-biologischer Ebene, als auch auf geistig-spiritueller Ebene. Als biologische Wesen sind wir existentiell abhängig von unseren Mitmenschen, von allen Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren und allen Ökosystemleistungen, die uns das Leben überhaupt erst ermöglichen, in Form von Sauerstoff, Wasser, Nahrung, etc. Jedes Lebewesen hat in diesem großen Zusammenspiel seine ganz eigene Rolle und eine Dysbalance wirkt sich auf den gesamten Kreislauf aus. Die Geschichte hat uns das schon oft gezeigt, denken wir z.B. an den Viktoriabarsch oder an das Bienensterben. Auf geistig-spiritueller Ebene verhält es sich ähnlich.

Alle spirituellen Lehrer lehren seit Jahrtausenden nichts anderes: Erinnere dich! Alles ist eins!

Kognitiv können wir es nicht verstehen, aber im Herzen können wir fühlen und wahrnehmen, dass wir eigentlich aus derselben Substanz bestehen und am Urgrund unseres Seins miteinander verbunden sind. Die Illusion der Trennung führt dazu, dass wir Einzelkämpfer werden, die glauben, sich behaupten und stärker sein zu müssen als andere. Wir gehen auf Raubzug, ohne zu verstehen, dass wir letztlich uns selbst berauben. Wir wollen den gefühlten inneren Mangel kompensieren, indem wir gierig nach immer Mehr von Allem streben. Ja, die Illusion der Trennung ist eine zentrale Ursache der aktuellen Krisen!


2. Ein mechanistisches Weltbild

Die zweite Ursache sehe ich im mechanistischen Weltbild, in dem die Natur und das Leben selbst ähnlich einem Uhrwerk als etwas Berechenbares, Starres, Lineares, Unbelebtes und mit strikten, quantitativen Naturgesetzen Beschreibbares gilt. Auch wenn sich heutzutage in vielen Wissenschaften das systemische Weltbild immer mehr durchsetzt, so haben 400 Jahre dieses Denkens dennoch ihre Spuren hinterlassen. Bis heute schreiben wir der Vernunft, der Logik und dem technischen Fortschritt größere Bedeutung zu als dem Mystischen, Weichen, Integrativen. Bis heute denken wir die Erde sei einfach ein großes Ressourcenbuffet, und wir finden den Gedanken lächerlich, dass sie womöglich ein lebendiges, fühlendes und intelligentes Wesen mit intrinsischem Eigenwert sein könnte. Bis heute wird an vielen Universitäten innerhalb starrer Grenzen geforscht und gelehrt, ohne die Bedeutung von inter- und transdisziplinären Herangehensweisen auch nur annähernd zu erfassen. Wir teilen die Welt in kleine, handhabbare Stücke bzw. Objekte ein und verlieren dadurch den Blick auf das Ganze, auf das Wesentliche, auf die Beziehungen untereinander.


3. Die Angst vor Gefühlen

Die dritte Ursache liegt für mich in der schieren Angst des Menschen vor Gefühlen aller Art. Als kleines Baby war es für uns lebensbedrohlich, wenn wir uns verlassen, wertlos oder ungeliebt fühlten. Schon früh entwickelten wir daher Schutzmechanismen und Strategien, um solchen Gefühlen nicht mehr ausgeliefert zu sein (z.B. „lieb sein“, „es allen recht machen“, „gute Leistung bringen“, etc.). So hilfreich das als Kind scheinen mag, so sehr steht es uns im Erwachsenenalter im Weg. Emotional verwahrlost, abgeschnitten von unseren vitalen Gefühlen, schaffen wir es kaum, uns um unsere eigenen Wunden angemessen zu kümmern und reagieren meist heftig, wenn jemand diese triggert. Wir sind nicht in der Lage, Gefühle einfach anzunehmen und willkommen zu heißen als temporäre Phänomene unseres Seins. Wir haben solche Angst vor dem Schmerz, und wir setzen alles - wirklich alles - daran, ihn zu vermeiden. Die Crux an der Sache ist jetzt die: Es verhindert auch das Mitfühlen und das sich Einfühlen in andere, was eine ganz wesentliche Voraussetzung für eine Nachhaltige Entwicklung ist.

Wir müssen wieder lernen zu fühlen, zuerst unseren eigenen Schmerz, dann den Schmerz anderer Menschen, anderer Gruppen und letztlich den Schmerz der Erde.

Wann immer Schmerz gefühlt wird, entspannt er sich, löst sich, und Liebe tritt an seine Stelle. Und sag mir: was wäre die Zukunft ohne die Liebe? Mit welcher Kraft, wenn nicht mit Liebe, wollen wir eine neue Welt aufbauen? Es gibt keine Alternative. Liebe ist der Weg, aber sie wächst nur in dem Maße, wie wir das scheinbar Dunkle in uns umarmen lernen.

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© 2019 von Julia Buchebner; Bilder von Pixabay.com