• Buchebner Julia

Neue Werte braucht die Welt

Warum Wissen nicht zwangsläufig zum Handeln führt

Das kennen wir doch alle: wir wissen, dass Fernreisen via Flugzeug klimaschädliche Gase in die Atmosphäre blasen, dennoch lassen wir uns einfach zu gerne die südliche Sonne auf den Bauch scheinen. Wir wissen, wie unwürdig die Lebensbedingungen von Tieren in der Massentierhaltung sind, aber auf unser Schnitzerl wollen wir nicht verzichten. Wir wissen auch, dass Textilarbeiterinnen in Bangladesh nicht gerade in einem fairen, freundlichen, sicheren oder gesundem Arbeitsumfeld beschäftigt sind, dennoch ist das neue T-Shirt mit den coolen Fransen einfach zu geil, um nicht zuzugreifen.


Was ist das? Was lenkt uns da? Welche Kräfte sind hier am Werk, die dafür sorgen, dass wir entgegen unseres besseren Wissens handeln?


Viele WissenschaftlerInnen haben sich darüber bereits den Kopf zerbrochen. Die einen meinen, es läge am langweiligen Charakter von Fakten an sich und dass man diese einladend, spannend und kreativ aufbereiten müsse, um zu motivieren statt Angst zu machen. Die anderen meinen, es läge an den fehlenden bzw. überteuerten Alternativen, und dass zuerst Politik und Wirtschaft leistbare Angebote & Rahmenbedingungen schaffen müssen, bevor Menschen bereit sind, eine neue Wahl zu treffen. Das alles ist sehr wahr und richtig.


Es gibt aber auch spannende Modelle aus der Umweltpsychologie, die zeigen, dass es v.a. die zugrunde liegenden Werte und Normen sind, die unser Verhalten prägen. So haben Studien gezeigt, dass Menschen mit hedonistischen oder egoistischen Werten weniger Umweltverhalten zeigen und sich weniger über soziale Probleme kümmern, als Menschen mit altruistischen oder biozentrischen Werthaltungen (vgl. Crompton et al., 2010, S.32f.).

Der Mensch handelt nach dem, was für ihn wichtig, lieb und teuer ist, und orientiert sich dabei an der sozialen Norm - also an dem, was seinem sozialen Umfeld oder der Gesellschaft als Ganzes wichtig ist. Heruntergebrochen heißt das: Wenn mir die Umwelt nix wert ist, vielleicht weil ich das zuhause nie gelernt habe, dann ist mir die Umwelt einfach „wurst“. Wenn mir Geld das Allerwichtigste ist, vielleicht weil das gesellschaftlich so suggeriert wird, dann wird eben die Gewinnmaximierung und nicht die sozial-ökologischen Folgen mein Denken und Handeln bestimmen.


Was lernen wir daraus?


Ich denke die wichtigste Conclusio ist, dass es an der Zeit ist, das, was uns als Gesellschaft wichtig und wertvoll ist, neu zu definieren. Ein Wertewandel geschieht, wenn viele Menschen anfangen, neue Werte vorzuleben und neue soziale Normen zu definieren. So kann sich jede/r von uns dafür entscheiden, dass Leistung und Erfolg nicht mehr das allerwichtigste, sondern z.B. nur mehr das dritt wichtigste in seinem Leben sind. Und dann sehen, was sich dadurch verändert (z.B. mehr Zeit für Familie, mehr Gelassenheit, mehr Freude im Moment, etc.). Wir können uns auch dafür entscheiden, das Leben anderer für ebenso wichtig zu nehmen und wertvoll zu erachten wie das unsere. Es gibt keinen wahren Grund, in einer Welt wo alles miteinander verbunden ist, das nicht zu tun.

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ lautet dazu ein schönes Zitat von Albert Schweitzer.

Wir können uns auch dafür entscheiden, dass uns die Welt, ihre Schönheit, ihre Schätze, ihre Reichtümer, ihre Vielfalt, ihre Lebendigkeit wichtig sind. Wir könnten ihr den Wert zuschreiben, den sie – als unsere einzige Lebensgrundlage, als unsere Ur-Mutter – unweigerlich hat. Das ist alles eine Frage der Entscheidung.


Wie würde eine Gesellschaft aussehen, die auf Basis solcher Werte entscheidet?!

Bestimmt wäre sehr vieles sehr anders. Die gesamte äußere Welt ist ja ein Spiegel der inneren Werthaltungen und Normen einer Gesellschaft: Wären uns die natürlichen Lebensgrundlagen mehr wert als der wirtschaftliche Wohlstand, würden wir diese bewahren und neue Wohlstandskonzepte finden. Würden wir nicht nur an uns selbst denken, wären unsere Wohn-, Arbeits- und Lebensformen bestimmt sehr viel gemeinschaftlicher und kooperativer ausgerichtet. Würden wir uns nicht nur an Ratio, Leistung und Fortschritt messen, könnte auch das Weibliche, Mystische, Fürsorgliche, Integrative Anerkennung finden.


Ich glaube das alles und mehr ist möglich. Jeder Einzelne hat als Teil der Gesellschaft einen ungemeinen Einfluss darauf, wie wir die Zukunft schreiben. Darum möge jeder für sich nachspüren und wählen, was ihm persönlich wirklich wichtig ist. Und durch entsprechendes Handeln als leuchtendes Vorbild dienen.

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© 2019 von Julia Buchebner; Bilder von Pixabay.com