• Buchebner Julia

Die "neue heilige Dreifaltigkeit“

Warum Hirn, Herz & Hand nur gemeinsam zu echter gesellschaftlicher Veränderung führen.


Zugegeben, es ist schon etwas dreist hier eine „neue Heilige Dreifaltigkeit“ zu benennen. Es ist wirklich nicht meine Absicht, mich mit christlichen Werten anzulegen oder irgendjemandem zu nahe zu treten. Ich halte nur den Begriff für das, was ich beschreiben will, so passend. Und irgendwie auch witzig 😉 Also stay cool und lasst meine Message einfach mal wirken.


Das Hirn, das Herz und die Hand sind Instrumente oder Dimensionen unseres Daseins, mit denen wir unsere Realität „angehen“, uns ausdrücken können. Sie alle drei sind gleichermaßen wichtig, wenn wir gesellschaftlich auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad gelangen wollen.


Das Hirn

Damit ist gemeint der Verstand, die Vernunft, das Denken, die Einsicht, die Erkenntnisfähigkeit, die Forschung. In der gesamten Nachhaltigkeitsszene diskutieren wir ja viel und gerne über politische, ökonomische und soziale Systeme und Systemzwänge, sowie darüber, wer was konkret in diesen Systemen ändern müsste, damit sich die Lage bessere. Wissenschaftler erstellen Szenarien für potenzielle Zukunftsentwicklungen, es wird akribisch berechnet, was wir dem Ökosystem noch antun können, bevor es endgültig kippt, und auf den Konferenzen tauschen wir eifrig Daten, Fakten und Wissen zu spezifischen Nachhaltigkeitsproblematiken aus. Das alles findet mehr oder weniger im Hirn statt. Und das alles ist auch ungeheuerlich wichtig! Was für eine Errungenschaft des menschlichen Geistes, Wissenschaft zu betreiben und Wissen teilen zu können als Grundlage für kluges Handeln. Ich für meinen Teil bin heilfroh, dass es die Wissenschaft gibt. Aber sie alleine kann die Probleme der Welt nicht lösen.


Die Hand

Kommen wir daher zur zweiten Dimension, die es für eine nachhaltige Entwicklung braucht, und die ich „Hand“ nenne. Dabei geht es um das aktive Tun, das engagierte Handeln, die motivierte Umsetzung eigener Erkenntnisse in die Tat. „Social Entrepreneurship“ ist ein gutes Beispiel hierfür. Die jungen Entrepreneure sehen Missstände und schwups – haben sie schon eine Idee, was sie verbessern könnten und setzen diese – oftmals auch lukrativ – um. Welche Power, Kreativität und Tatkraft doch darin steckt! Wo wären wir, wenn nicht pionierhafte Geister kreative Innovationen vorangetrieben hätten? Man denke nur an die überzeugten Umweltaktivisten, die weltweiten Jugendbewegungen, die Impact Hubs, die Kleidertauschkreise, die Co-Housing Siedlungen, die Permakulturdesigner, die bio-veganen Reformhausfreunde – der Welt würde Buntheit und Hoffnung fehlen ohne diese Kraft der Tat, der Aktion, der gemeinsamen Handlung.


Das Herz

Zuguterletzt die dritte Dimension, die das ganze komplettiert, die aber auch sehr gerne unbeachtet bleibt. Es ist das Herz. Zugegeben, hier und da trauen wir uns schon über soziale Verantwortung, Kooperation und Solidarität zu sprechen, immerhin sind diese Prinzipien ja nun auch ganz offiziell in den Sustainable Development Goals der UN zu finden.

Aber über das menschliche Herz, mit all seiner Schönheit, Reinheit, Kraft und Tiefe - darüber sprechen wir selten.

Und noch weniger zeigen oder fühlen wir es. Mal die eigene Ohnmacht angesichts der Lage der Welt zulassen? Mal aushalten wie es ist ohne neuestes Statussymbol herumzulaufen? Mal in der Arbeit wirklich die Erschöpfung zeigen und Schwäche eingestehen? Das ist schon eher tabu. Dabei könnten wir dadurch so viel gewinnen!


Denken wir doch nur daran, wie viel mehr Verbundenheit und Kooperation wir schaffen würden, wenn mehr Menschen wieder Zugang zu ihrem eigenen Herzen finden. Wieviel mehr Frieden wir in der Welt sehen würden, wenn mehr Menschen Frieden in sich selbst finden. Wieviel bewusster wir mit den Ressourcen unserer Erde umgehen würden, wenn mehr Menschen erkennen, dass wahres Glück nicht in materiellen Dingen zu finden ist. Wieviel mehr Sorge wir für andere und unseren Planeten tragen würden, wenn Liebe und Mitgefühl anstatt des Egos unser Handeln bestimmen. Wieviel mehr Schönheit in der Welt zu finden wäre, wenn jede/r sein vollstes Potenzial zum Strahlen bringt und sein Umfeld mit der herzvollsten Version seiner selbst beschenkt. Also mich für meinen Teil, macht diese Vision sehr glücklich.


Nur zusammen gelingt nachhaltige Veränderung

Es braucht alle drei Komponenten zusammen, um wirklich umfassende und tiefgreifende Veränderung zu bewirken. Einseitig ausgelebt, bleibt stets etwas auf der Strecke: Der trockenen Wissenschaft fehlt die Emotion, die Menschen nun mal brauchen, um sich zu bewegen. Dass Wissen nicht zwangsläufig zum Handeln führt, beweist uns der Zustand der Welt. Wir wissen, was alles falsch läuft, aber dennoch agieren wir meist nicht entsprechend. Der sanften und gutmütigen Herzenswelt fehlt oft die bodenständige Erdung, die die Dinge auf den Boden bringt. Wir verlieren uns in realitätsferne Träume von Weltfrieden und Harmonie, und vergessen vor lauter Hoffen und Beten auf das konkrete Tun. Dem blinden Aktionismus wiederum fehlen oft Weisheit und Liebe, für etwas statt gegen etwas zu gehen. Wir kämpfen gegen das System und entledigen uns dadurch selbst der Möglichkeit, über es hinauszuwachsen und es wirklich zu verändern.


Hirn, Herz und Hand können nur gemeinsam zu echter gesellschaftlicher Veränderung führen.

So wie sich in der christlichen Theologie die Wesenseinheit Gottes in den drei Hypostasen Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart, so offenbart sich uns die Nachhaltigkeit in unseren Köpfen, in unseren Herzen und in unseren Händen.

Das ist, ganz frech, die neue „heilige Dreifaltigkeit“. Ich freue mich über eure Kommentare dazu!

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© 2019 von Julia Buchebner; Bilder von Pixabay.com