• Buchebner Julia

3 Merkmale zeitgemäßer Spiritualität

Der Versuch einer Definition

Kennst du das auch? Du hörst jemanden von Armut, Keuschheit und Gehorsam sprechen und alles in dir zieht sich schon zusammen. Oder jemand klopft an deiner Tür und will dir erklären, dass nur er allein dir helfen kann, zu Gott zu finden. Oder du besuchst voller Vorfreude auf ein spirituelles Erlebnis einen heiligen Tempel in Indien, nur um dort festzustellen, dass die Statuen aus Stein wichtiger genommen werden als die in Elend lebenden Menschen vor dem Eingang. Also ich kann nur für mich sprechen, aber recht zeitgemäß und modern erscheint mir das alles nicht!


Aber was macht denn zeitgemäße Spiritualität eigentlich aus?


In den letzten 7 Jahren habe ich über 15 Klöster, Ashrams und Retreatcenter in Europa und Asien besucht und jeweils zwischen 1 und 4 Wochen dort verbracht. In dieser ganzen Zeit wurde ich zutiefst berührt und inspiriert von den verschiedensten Lehrern, aber vor allem von der simplen und erhabenen Kraft spiritueller Plätze und Gemeinschaften. Ich habe aber auch sehr viel Trennendes erlebt, und Glaubenssätze, die mir wenig dienlich schienen (so à la „nur wer unserem Guru folgt ist super“).

Basierend auf all diesen Erfahrungen, von denen ich keine einzige missen möchte, habe ich mir einige Gedanken gemacht, was eine zeitgemäße Spiritualität im 21. Jahrhundert für mich ausmacht und wie diese aussehen könnte.


Et voilà:


1. Individuell und dogmenfrei

zeitgemäße Spiritualität erkennt und schätzt die Vielfalt unterschiedlicher spiritueller Zugänge und Richtungen. Sie stellt keinen alleinigen Wahrheitsanspruch. Sie ist frei, offen und braucht keinen Guru oder Dogmen.

Denn jeder Mensch ist Weisheitsträger und im Herzen eines jeden Menschen steckt seine eigene Wahrheit.

Sie versteift sich inhaltlich nicht auf bestimmte Formen von Gott oder einem bestimmten Gottverständnis, sondern überlässt es dem Einzelnen für sich zu entscheiden, woran er glauben will oder was der Vorstellung von Gott in seinem Herzen am nächsten kommt. Auch wenn spirituelle Meister natürlich wahnsinnig hilfreich sind, einem die Augen öffnen und den Weg andeuten können, so sollte die einzige Botschaft dennoch sein: "Höre in dein Herz!" Und nicht: "Folge mir"! Denn in deinem Herzen liegt alle Wahrheit und alle Schönheit verborgen und am Urgrund deines eigenen Herzens wohnt Gott, oder die Liebe, oder wie immer du es nennen willst.


2. Weltorientiert und verantwortungsbewusst

zeitgemäße Spiritualität ist kein Wellnesstrend, bei dem es nur um das Wohlbefinden des Individuums geht. Vielmehr ist sie an einer gesamtgesellschaftlich positiven Entwicklung interessiert. Sie zielt auf das Wohle aller ab, einschließlich des Planeten Erde. Denn sie weiß: Alles steht miteinander in Verbindung. Und so gehört es auch dazu, dass alle Gebete, Rituale und Praktiken aus dem geistigen Bereich heraus auch in konkrete Handlungen münden und auf den Boden kommen.

Frei nach dem Motto „get some feet under your prayer!“ sollten Menschen beginnen zu handeln und aktiv zu werden.

Das heißt für das einstehen, was ihnen wichtig und heilig ist. Das muss nicht immer der Umweltschutz sein, obwohl wir alle hier besonders gefordert sind. Es geht einfach darum, das zu tun und dem zu folgen, was man wirklich in sich trägt und diese Samen auch in der Welt zu pflanzen und zu pflegen. Spirituelle Menschen verkriechen sich gerne irgendwohin in die Einsiedelei und kapseln sich vom Weltgeschehen ab. Zeitgemäße spirituelle Menschen übernehmen die Verantwortung und engagieren sich, weil sie ihren eigenen Wert für die Welt erkannt haben und sich aus Liebe an sie verschenken wollen.


3. Leicht und authentisch im Tiefgang

zeitgemäße Spiritualität darf humorvoll, leicht, frech, witzig, freudvoll und fröhlich sein! Es muss nicht immer alles streng und ernsthaft ablaufen. Das bekommt sonst immer diesen leichten Touch von Scheinheiligkeit. Mir persönlich ist es lieber, jeder ist authentisch, als man versteckt seine eigentlichen Impulse, nur um in ein spirituelles Konzept zu passen oder einem vagen Bild zu entsprechen, wie sich erleuchtete Menschen zu verhalten hätten. Dieses sogenannte „spirituelle Ego“ kann uns ordentlich im Wege stehen, wenn wir glauben Spiritualität müsste besonders tiefgehend, mystisch, heilig, achtsam, weise, friedlich oder liebevoll sein.

Obwohl wir innerlich die Kacke am Dampfen haben, verstecken wir das, weil wir glauben es wäre nicht spirituell mal mit der Faust auf den Tisch zu schlagen.

Aber dem ist nicht so. Jeder Moment unseres Lebens ist heilig, und wir sind spirituelle Wesen ganz egal ob wir lachen, lieben, meditieren oder wütend sind. Zeitgemäße Spiritualität führt mit Lebensfreude und unendlicher Liebe in die Tiefe, nicht mit Angst, Ernsthaftigkeit oder Manipulation.


Soweit von mir. Was macht für dich zeitgemäße Spiritualität aus? Ich freue mich über deine Kommentare & Ergänzungen zu diesem Thema!

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© 2019 von Julia Buchebner; Bilder von Pixabay.com