• Buchebner Julia

2 Jahre Corona: Was haben wir gelernt?



März 2020: ein Virus breitet sich über den gesamten Erdball aus. Leere Straßen, volle Krankenhäuser, verängstigte Menschen. Eine für die meisten von uns schwierige und noch nie dagewesene Situation. Ein optimistischer Teil in mir dachte damals, dass nun endlich die längst überfällige Transformation ins Rollen kommen würde. Ich dachte, dass Corona DER Wake-Up Call sein würde, der uns zum Umdenken auf vielen Ebenen veranlassen wird. Und so schrieb ich einen Artikel über „6 Dinge, die wir an Corona auch positiv sehen können“. Mit über 660.000 LeserInnen fühlte ich mich in meiner inneren Aufbruchstimmung bestätigt.


Doch nun, zwei Jahre später, ist es Zeit für einen Reality Check.


Was haben wir wirklich gelernt? Wie haben wir uns durch die Pandemie weiterentwickelt? War Corona tatsächlich die Sprungschanze in ein neues Bewusstsein?


Zugegeben, meine Analyse ist doch eher ernüchternd. Denn ich finde nicht, dass wir als Gesellschaft sonderlich viel gelernt hätten, sonderlich viel reifer, wacher oder bewusster geworden wären. Im Gegenteil - manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass wir regrediert sind, sprich: Rückschritte statt Fortschritte gemacht haben!


Regression oder Transformation?


Unter diesem Titel hatte ich im Mai 2020 einen weiteren Artikel veröffentlicht, und darin wesentliche Aspekte dargelegt, die es zu beachten gilt, wenn wir die Krise als Chance und nicht als Verderbnis nutzen wollen. „Raum für gesellschaftliche Reflexionsprozesse öffnen“, „neue Zielbilder finden“ oder „eine ganzheitliche Betrachtung der Corona-Krise“ waren einige meiner genannten Punkte.


Ganz ehrlich? Mir scheint, nichts davon ist auch nur annähernd so gekommen.


Alle Menschen, die es auch nur ansatzweise wagten, gewisse Entwicklungen kritisch zu reflektieren, wurden öffentlich diffamiert und herabgesetzt. Menschen, die Gesundheit ganzheitlicher definieren als reine Symptombekämpfung, wurden für lächerlich erklärt. Menschen, die an die Schwere weit bedeutender Krisen wie etwa des Klimawandels oder des Biodiversitätsverlusts erinnerten, wurden nicht mehr gehört. Und viele Stimmen, die wirklich etwas Weises und Wertvolles zu sagen gehabt hätten, sind irgendwann einfach verstummt. Gleichsam waren nur die wenigsten Menschen in der Lage, unterschiedliche Perspektiven, Bedürfnisse und Ängste (vor)urteilsfrei wahrzunehmen. Feindseligkeit auf allen Seiten. Und so haben wir eine gespaltene Gesellschaft geschaffen, in der tiefe Gräben Freundschaften und Familien durchzogen. Alles weit weit weg von dem, wo es eigentlich hätte hingehen müssen.


Gedanken aus der Spiral Dynamics


Eine spannende Erklärung für diese seltsame Dynamik liefert die „Spiral Dynamics“-Theorie von Don Beck (1996), bei der verschiedene Entwicklungsstufen des menschlichen Bewusstseins beschrieben werden. Das Spiralmodell zeigt, wie sich im Laufe der Geschichte die Grundwerte und Ideale menschlicher Gesellschaften verändert haben.


In gewissen Angst- oder Stresssituationen kann es passieren, dass man – anstatt sich in der Spirale weiter aufwärts zu entwickeln – wieder „hinunterpurzelt“, man regrediert in ein früheres Stadium.

(Die Stufen/Memes der Spiral Dynamic nach Don Beck; Bild von Marco Neumann; Hinweis: Die Farben der Memes haben nichts mit politischen Farben zu tun)


Ich denke das ist tatsächlich während der Coronakrise passiert. Als Gesellschaft waren wir ganz im „orangen Meme“ der Spirale verankert (Wachstum, Leistung, Effizienz, Wettbewerb, Objektivität, mechanistisches Denken) und wir standen vielerorts bereit, in die nächsthöhere Stufe – das „grüne Meme“ – überzugehen (Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, ökologische Sensibilität, Fürsorge, Vernetzung, Wertschätzung, Gleichberechtigung). Doch anstatt nun diesen Sprung als Kollektiv wirklich zu machen, sind wir ins „blaue Meme“ zurückgefallen, welches für Ordnung, Gehorsam, Autorität, Pflicht, Recht & Unrecht, Belohnung & Bestrafung steht.


Kurzum: Zurück in den „Law-and-Order-Modus“ anstatt der von spirituellen Medien vielzitierte „Quantensprung in die nächste Dimension“.


Ist jetzt Hopfen und Malz verloren?


Ich bin sicher, es ist absolut kein Honigschlecken, in einer Pandemie politische Verantwortung zu tragen. Und bestimmt hat auch das "blaue Meme" seine Berechtigung. Zudem weiß man nie, welchen höheren Nutzen das alles noch stiften wird. Trotzdem muss man ehrlicherweise sagen, dass viele Gelegenheiten, um die Dinge grundlegend anders und besser zu machen, insgesamt gesehen nicht wahrgenommen wurden. Da wäre mehr drin gewesen.


Gott sei Dank aber gilt das nicht für alle Menschen!


Ich kenne viele Menschen, die sich während der Pandemie die Sinnfrage im Leben wieder gestellt haben. Die ihr Leben neusortiert, neu ausgerichtet haben. Vielen ist das Schöne und Einmalige in den Selbstverständlichkeiten des Lebens wieder bewusst geworden. Sie haben die Freude an der Bewegung an der frischen Luft wiederentdeckt. Und der Wegfall von Terminen hat vielen den Wert von Ruhe und Entschleunigung aufgezeigt. Viele Menschen haben begonnen, ihre Herzensprojekte umzusetzen. Andere haben dank Home-Office ganz neue Formen der Arbeit kennen und schätzen gelernt. Viele sind über ihre eigenen Ängste hinausgewachsen. Haben sich bewusst für einende statt spaltender Worte entschieden. Viele Menschen haben gesehen, wer wirklich systemrelevant ist, und wer nur so tut. Und viele Menschen haben erkannt, wie krank die Systeme sind, in denen wir derzeit noch leben.


Grund zur Hoffnung


Das alles zeigt, dass es noch Grund zur Hoffnung gibt. Es ist nie zu spät, aus Fehlern und Irrtümern zu lernen. Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Es ist nie zu spät, sein Leben in die Hand zu nehmen und es so zu gestalten, wie es mit den tieferen Werten und der Mitwelt im Einklang steht.


Die größte Hoffnung ist doch, dass viele Menschen das Gesicht der Welt verändern. Auch wenn es im Großen noch immer zäh und mühsam läuft, darf man nicht vergessen, dass die echte Entwicklung, der echte Fortschritt, in jedem/r Einzelnen von uns beginnt.


Die Zukunft wird in unseren Herzen geschrieben.

Darum – ich sage es immer und immer wieder – geben wir die Hoffnung nicht auf! Geben wir weiterhin unser Bestes! Und schreiben wir eine neue Geschichte mit der Liebe unseres Herzens!

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